Mit einer zarten rosa Färbung des Himmels kündigte sich die Sonne hinter den Bergen rund um Tromsö an. Es war kaum eine Wolke zu sehen. Die Luft war klar und kalt. Der Wind an Deck tat sein Bestes die Finger schnell wieder in den Taschen verschwinden zu lassen. An schneebedeckten Hängen vorbei, bahnten wir uns den Weg zum Hafen. Heute sollte unser längster Tag sein.

Was ein Geologe so alles weiß…

So, Schluss mit dem epischen Gebabbel. Ansonsten glaubt man noch, ich würde einen skandinavischen Krimi schreiben, oder sowas. Nachdem wir gefrühstückt hatten, ging es auch schon gleich Richtung Bus. Wir begannen mit einer tierischen Tour.

Wenn es um geführte Touren geht, gibt es meiner Meinung nach zwei wichtige Punkte: Der Informationsgehalt des Guides und die Aussicht. Wenn in der Vergangenheit mal etwas nicht gepasst hat, hatte es immer mit dem Guide zu tun. Heute aber war die Aussicht mangelhaft. Natürlich ist ein Busfenster nie richtig sauber. Aber hier war rundherum eine dicke Staubschicht, die das Fotografieren unmöglich machte. Das war ziemlich ärgerlich, da wir durch eine wundervolle Landschaft entlang der Fjorde fuhren. Immerhin hatte Dani dann aber Zeit, die ganzen Infos des Guides aufzuschreiben. Dieser begrüßte uns quasi schon damit, und entschuldigte sich auch gleich dafür, dass er Geologe ist. Wollte er uns jetzt etwas von den Gesteinsschichten erzählen? Mitnichten! Nachdem er uns von der Geschichte Tromsös alles Wichtige mitgeteilt hatte und wir die Stadt verlassen hatten, erklärte er uns alles über die Entstehung der Fjorde, warum manche Bergspitzen nicht (mehr) spitz sind und wie es generell dazu gekommen ist, dass Norwegen so aussieht, wie es halt aussieht.

Wuff…

Nach ca. 1 1/2 Stunden Fahrt und einige Seiten im Info-Buch weiter, hatten wir unser Ziel erreicht: Eine Husky-Farm. Das Schlittenfahren überließen wir aber anderen. Wir begnügten uns damit, die Hunde zu streicheln und zu fotografieren.

Hier ist auch dieses Bild entstanden, womit Dani bei dem Foto-Wettbewerb auf dem Schiff den 3. Platz gemacht hat.

Trotz der vielen Huskys war Dani etwas missmutig. In der heutigen Tour sollte eigentlich ein Stop bei einem Rentier-Camp dabei sein. Dort gab es aber wohl etwas zu viel Eis, weswegen die Besitzer aus Sicherheitsgründen alle Besuche absagten. Demensprechend wollten wir auch schon Touren umbuchen, was aber auch nicht funktioniert hatte. Aber man darf auch mal Glück im Unglück haben. Denn auf der anderen Straßenseite hatte dann doch ein Sami seine Rentiere stehen, zu denen wir auch noch durften.

Auf dem Rückweg gab es noch weitere Erklärungen, wie zum Beispiel, warum das Wasser in Norwegen so klar ist uns wie sich ein Fjord und ein Fluss unterscheiden.

Tromsö von oben…

Am Schiff angekommen gingen wir gleich wieder auf Achse, war doch erst die Hälfte des Tages vorbei. Durch ein bisschen Rumfragen fanden wir die Bushaltestelle, die wir benötigten um mit der dort haltenden Linie zum Fjellheisen beziehungsweise zum Storsteinen zu fahren. Der Storsteinen ist quasi direkt übersetzt der große Fels oder halt Stein. Wer bei Fjellheisen jetzt aber an die sehr ähnlich klingenden Rucksäcke denkt, ist etwas auf dem falschen Dampfer. Denn nicht immer sind sich Norwegisch und Schwedisch eins, wenn es um die Bedeutung der Wörter geht. Der oder eher die Fjellheisen ist die Bergbahn (Fjell=Berg), also die Seilbahn, mit der man auf den Storsteinen hinauf fährt. Die schwedischen Rucksäcke Fjällräven bedeuten aber Polarfuchs.

Wieder etwas gelernt!

Von hier oben ist die Aussicht echt fantastisch, auch wenn es verdammt kalt ist.

Noch ein bissie das winterliche Panorama genossen, stellten wir uns wieder in die Schlange zur Abfahrt an. Wir hatten Glück mit unseren Bustickets, gelten die hier 2 Stunden lang, ab der ersten Benutzung. Also brauchten wir nicht zweimal zu bezahlen. Wir stiegen dann 2 Haltestellen früher aus und gingen zu Fuß den Hafen entlang zurück zum Schiff. Jetzt hatten wir noch Zeit, um uns wieder aufzuwärmen und zu stärken. Die Nacht sollte die für uns Kälteste werden.

Wir wolln die Lichter sehn…

Die abendliche Tour haben wir diesmal privat bei Karina von ScanAdventures gebucht. Wir fuhren mit 3 kleinen Bussen mit je ca. 16 Sitzplätzen in die Dunkelheit um Nordlichter zu sehen. Die Fahrt führte uns ca. 1 Stunde lang irgendwo ins Nirgendwo. Unterwegs erzählte uns unser Guide Kira wieder einiges an Fakten und amüsanten Begebenheiten, die sie hier schon am eigenen Leib erleben durfte. In Tromsö gibt es ein Tunnelsystem, was erstmal nichts weiter Besonderes ist. Diese Tunnel wurden damals als Sicherheitsbunker im 2. Weltkrieg gebaut. Nachdem diese Funktion nicht mehr benötigt wurde, hat man einfach Strassen da rein gebaut. Damit der Verkehr aber auch entsprechend geregelt werden kann, gibt es auch diverse Kreisel. Für Einheimische natürlich kein Problem, stellt es Touristen aber vor eine große Herausforderung. Denn jetzt fährst du in den Kreisel, kannst die Schilder nicht richtig lesen, und was sagt dir das Navi? Nichts! Der Empfang unter so viel Stein ist etwas bescheiden. Also merke: Wer einen Kreisel mehr als 2 mal umkreist, ist ein Touri! Mit dieser und noch anderen lustigen Stories hat uns Kira bis zum Zielort, der Insel Sommarøy unterhalten.

Endlich!

Es war noch relativ früh, ca. 20:30 Uhr. Die beste Zeit für Nordlichter ist wohl rundum 23:00 Uhr. Das hielt sie dennoch nicht davon ab, schon langsam anzufangen zu tanzen. Und heute konnte man sie dann auch mit bloßem Auge sehen.

Einige Fotos und Tee und Kaffee später, machten wir uns zufrieden aber geschafft wieder gen Schiff. Zwischendrin sahen wir noch Elche. Also zumindest meinte Kira, dass die schwarzen Schatten welche waren. Hätte Sie gesagt, das waren Kühe, hätten wir es auch geglaubt. Noch ein kurzer Stop, weil das Polarlicht nochmal schön hell wurde am Himmel und dann war es aber auch gut.

Die Datensicherung habe ich dann ausnahmsweise mal auf den nächsten Tag verschoben.

Und bis auf die Finger, die nunmal immer wieder an der Luft waren, hielten uns die Klamotten gut warm. O.k. wir hatten hier ja auch „nur“ -8 Grad. Zur gleichen Zeit war in Deutschland ja die Eiszeit ausgebrochen. Aber im Urlaub fährt man doch immer ins Warme, oder wie war das 😉

Preview:

Wieviel Geologen gibt es hier oben eigentlich? Und wieviele Busse? Warum wird hier eigentlich alles, was eine Kirche ist, gleich Kathedrale genannt? Und: Haben die Norweger wirklich keine Probleme mit der Kälte?

 

Das gibt es Alles am 2. Tag in Tromsö. Also bis dann!

AIDAcara – Winter im hohen Norden Tag 8

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