Dass der Winter nicht immer nur schön ist, bekamen wir heute zu sehen. Es sollte den ganzen Tag wolkenbehangen bleiben, was der Atmosphäre einer Landschaft nicht gerade gut tut. Aber wir haben Urlaub, also soll uns das nicht betrüben.

Bodö (eigentlich ist das ö ein o mit einem Strich durch) ist als Stadt nicht sonderlich spektakulär. Da es im 2. Weltkrieg von den Deutschen so gut wie zerstört wurde, gibt es hier quasi kaum noch alte Gebäude. Die Bauarbeiten an allen Ecken und Enden halfen dem fehlenden Charme auch nicht gerade. Und ja, hier wird auch im Winter an Straßen und Häusern gebaut. Schlechtes Wetter gibt es hier nicht.

Wo fließt denn nun das Wasser?

Nungut, die Stadt war für uns heute auch nur Zweitrangig. Das Besondere hier ist der ca. 30 Kilometer entfernte Saltstraumen.

Dies ist der stärkste Gezeitenstrom der Welt. Und jeder jetzt erstmal: Häää??? Platt gesprochen treffen sich hier Ebbe und Flut. Bedeutet, dass an dieser Engstelle täglich ca. 400 Millionen Kubikmeter Wasser durchfeuern; Höchstgeschwindigkeit 40km/h. Und durch diese Gegenbewegungen entstehen Strudel, die in der Hochphase eine Ausdehnung von 15 Metern haben können und bis zu 4 Metern nach unten gehen. Da sollte man also nicht schwimmen. Wie das bei Ebbe und Flut so ist, gibt es da gewisse Zeiten, wo man viel sieht, und manche wo nicht so viel los ist. Aufgrund der Vorabrecherche waren wir der Meinung, dass die Touren, die vom Schiff aus angeboten wurden zu sehr ungünstigen Zeiten am Saltstraumen ankommen würden. Daher hatten wir uns schon frühzeitig ein Auto gemietet. Aufgrund des Preisunterschieds von 2 Euro, nahmen wir die etwas grössere 5 Tür Variante, wohlweislich, dass wir eventuell noch Mitfahrer finden könnten. Während Dani die Touri-Info unsicher machte, wanderte ich zum Avis Laden. Wir hatten Glück und wir bekamen ein Upgrade. Wir durften es uns in einem neuen Volvo Kombi gemütlich machen.

Trotzdem die Norweger ihre Nachbarn jetzt nicht gerade abgöttich lieben, sind hier doch sehr viele Volvos unterwegs. Das liegt vielleicht auch daran, dass Norwegen keine eigene Automarke hat. Der andere Grund ist einfach, dass diese Auto das Wetter hier gewohnt sind, sieht es ja in Schweden doch sehr ähnlich um diese Jahreszeit aus. Mir war es für heute egal. Ich hatte genug Platz und Automatik. Und mit dem Kombi, war genug Platz, für meinen Rucksack und diverses andere Zeug. Das war doppelt praktisch, hatte Dani doch gleich mal 3 Leute im Schlepptau, die sich eigentlich nur ein Taxi teilen wollten. (Danke an Peggy, Marc und Heiko für den lustigen Tag!) Also machten wir uns zu fünft auf in die halbweiße Landschaft. Vorbei an Feld, Wald und Wiese, den typischen Holzhäusern und gefrorenen Bachläufen, kamen wir alsbald am Saltstraumen an. Während die anderen Vier sich auf die Brücke über den Saltstraume begaben, machte ich mich runter zum Ufer um das Spektakel aus der Nähe zu betrachten. Von dort sieht man die Strudel natürlich nicht so genau, wie von oben, aber man merkt schon, dass das Wasser verdammt schnell fließt. Ein paar Fotos und Drohnenüberflüge (kann man sich in Ausschnitten hier anschauen) später machte ich mich wieder nach oben.

 

Shopping…mehr oder minder…

Wir hatten auf dem Parkplatz eines Supermarktes gehalten. Also spazierten wir da schnell nochmal rein. Man sagt nicht umsonst, dass für die Norweger der Urlaub in fremden Ländern immer günstig ist… Eine Tafel Schokolade (200g) kostet ca. 5 Euro. Eine normale Salatgurke liegt bei ca. 3 Euro. Generell wurde in Norwegen vor nicht allzu langer Zeit die Zuckersteuer eingeführt, was alle Lebensmittel, deren „Hauptbestandteil“ Zucker ist, einfach mal 15% teurer werden lässt. Durch diverse Gespräche mit den Guides hier merkt man aber, dass diese Maßnahme das Konsumverhalten der Leute nicht verändert. Das gleiche gilt hier auch für Alkoholika. Im Supermarkt bekommt man nur Bier. Alles Hochprozentige wird in einem staatlich geführten Laden, dem Vinmonopolet verkauft. Die haben strikte Öffnungszeiten und es darf auch nur in handelsüblichen Mengen verkauft werden. Ein Glas Bier in einer Kneipe liegt so zwischen 8 und 10 Euro. Die hochprozentigen Sachen kosten angeblich das Gleiche. Das lässt den Norweger natürlich nicht zweimal nachdenken und so greift er bei den Preisen lieber gleich zum Hochprozentigen. Nungut, aber ich schweife ab. Immerhin gibt es ja noch ein paar Seetage, wo ich auf sowas eingehen kann. Nachdem wir uns ein paar Kleinigkeiten und ein Glas Moltebeeren-Marmelade geholt hatten, fuhren wir noch etwas durch die Gegend, um die Landschaft auf uns wirken zu lassen.

Auch mit der geschlossenen Wolkendecke sieht das hier alles echt schön aus. Trotzdem wollten wir glaube ich nicht unbedingt hier irgendwo im Nirgendwo wohnen. Noch ein paar Fotos geschossen und es ging wieder zurück.

Graffiti-City

Nachdem das Auto wieder abgegeben war, wanderten wir noch durch Bodö. Hier gibt es nämlich ein paar coole Graffities, die wir live sehen wollten. Dani hatte in der Touri-Info schon einen Plan besorgt, also mussten wir nicht lange suchen.

Zum Abschluss kehrten wir noch in einen Klamottenladen ein, da wir gemerkt hatten, dass unsere Finger trotz Handschuhe ganz schön kalt wurden. 2 Paar Wollfäustlinge, 2 Paar Pulswärmer und 1 Paar Wollsocken, die auch von der Norwegischen Armee benutzt werden sollten uns den Rest der Reise gute Dienste tun. Den Preis habe ich zum Glück schon wieder vergessen.

 

Zurück an Bord musste natürlich zu Abend gegessen werden, bevor es dann wieder um 21:00 Uhr zur Show ging.

 

Moment!

Eine Geschichte fehlt aber noch. Wo waren denn jetzt die Polizisten? Kurz nachdem wir aus Bodö rausgefahren sind, wurden wir und 5 andere Autos freundlich rechts raus gewunken. Wir erklärten uns das im Nachhinein so, dass die neuen Azubis mal üben sollten. Ich öffnete das Fenster und der nette Herr sprach mich auf Norwegisch an. Nachdem ich in ein fragendes Engelsk (Englisch) anwortete, erzählte er mir alles nochmal auf englisch. Es war eine reine Routinekontrolle, also Führerschein, Fahrzeugpapiere, wo soll es hingehen, etc. Wir drückten ihm einfach die gesamte Mappe mit den Unterlagen des Mietwagens in die Hand und er suchte sich die richtigen Zettel raus. Nachdem er uns noch die Fahrtrichtung zum Saltstraumen erklärt hatte, durften wir auch schon wieder losfahren. Im Nachhinein hätten wir vielleicht noch ein Gruppenfoto machen können, aber gut: Wir haben sie auf dem Rückweg nochmal im Vorbeifahren geknippst.

Vorschau…

Wofür kann man sich alles taufen lassen? Wie schön ist der Alta Fjord wirklich? Darf es im Winter schneien? Und wie entstehen eigentlich Polarlichter?

Hier habs schon erraten: Diese Antworten gibt es beim nächsten Mal!

AIDAcara – Winter im hohen Norden Tag 5

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